Du bist nicht dafür da, von jedem gemocht zu werden
Du brauchst mit den Fröschen nicht über die Trockenlegung des Teiches zu diskutieren.
Gute Kommunikation bedeutet nicht, dass alle dich danach mögen.
Es gibt Sätze, die begleiten einen durch ein ganzes Berufsleben. Einer meiner Favoriten aus meiner Zeit als Change Managerin war: „Du brauchst mit den Fröschen nicht über die Trockenlegung des Teiches zu diskutieren.“
Ich gebe zu: Nicht gerade die klassische Kommunikationsweisheit aus dem Lehrbuch. Aber eine ziemlich treffende. Denn manchmal ist eine Botschaft einfach … uncool.
Ein liebgewonnener Prozess soll abgeschafft werden. Ein zusätzlicher Genemigungs- Schritt muss eingeführt werden. Ein Zuständigkeitsbereich verändert sich. Ein bisher bequemes „Das haben wir schon immer so gemacht“ funktioniert plötzlich nicht mehr.
Und dann kommt jemand wie meine Coaching Klientin und arme Überbringerin der Nachricht um die Ecke und sagt: „Wir müssen das ab jetzt anders machen.“
Und was passiert? Der Frosch ist not amused.
Und statt sich über die Trockenlegung des Teiches zu beschweren, beschwert er sich über den Tonfall derjenigen, die darauf hingewiesen hat.
„Die Kommunikation könnte aber wirklich besser sein.“
Natürlich könnte sie das. Das kann sie fast immer. Aber hier liegt auch ein ziemlich spannender Denkfehler: Nicht jede schlechte Reaktion ist ein Beweis für schlechte Kommunikation.
Manchmal ist eine Nachricht einfach schlecht. Nicht schlecht formuliert. Schlecht für den Empfänger. Und das darf sie auch sein.
Der Überbringer der schlechten Nachricht ist nicht automatisch das Problem.
Gerade Menschen, deren Job es ist, auf Regeln, regulatorische Anforderungen, Risiken oder Prozessschritte hinzuweisen, kennen dieses Phänomen. Wie bei meiner Klientin.
Sie sagt: „Das geht so nicht.“ Und plötzlich ist sie das Problem.
Nicht die Vorschrift. Nicht der Prozess. Nicht die Konsequenz.
Nicht die Tatsache, dass jemand seinen liebgewonnenen Ablauf verändern muss.
Der Überbringer. Das ist menschlich.
Wir schießen eben lieber auf denjenigen, der uns die schlechte Nachricht bringt, als auf die schlechte Nachricht selbst.
Der Klassiker: „Mit dir kann man einfach nicht gut zusammenarbeiten.“
Übersetzt heißt das manchmal schlicht: „Ich hätte diese Information lieber nicht bekommen.“ Und trotzdem wäre es zu einfach, daraus zu schließen: „Dann muss ich eben noch klarer und härter werden.“ Nein.
Denn zwischen Klarheit und Härte liegt ein ziemlich großer Unterschied.
Der Oktopus würde jetzt acht Arme ausbreiten Und genau hier kommt mein Lieblingsbewohner des Meeres ins Spiel. Der Oktopus kann nämlich etwas, das in schwierigen Kommunikationssituationen Gold wert ist: Er bleibt bei sich und passt sich trotzdem an.
Nicht jede Veränderung seiner Umgebung bedeutet, dass er plötzlich ein anderer Oktopus
werden muss.
Er verändert seine Strategie.
Seine Geschwindigkeit.
Seine Position.
Seine Berührung.
Seine Richtung.
Aber nicht seinen Kern.
Das ist für mich ein ziemlich gutes Bild für professionelle Kommunikation. Klarheit ist nicht verhandelbar. Die Art, wie ich Klarheit vermittle, schon.
Ich darf sagen: „Das ist regulatorisch erforderlich.“
Und gleichzeitig: „Ich weiß, dass das für euch zusätzlichen Aufwand bedeutet.“
Ich darf sagen: „Diesen Prozess müssen wir verändern.“
Und gleichzeitig: „Ich kann verstehen, dass ihr mit dem bisherigen Ablauf gut gearbeitet habt.“
Ich darf sagen: „Das geht so nicht.“
Ohne daraus zu machen: „Wie oft muss ich das eigentlich noch erklären?!“
Der Unterschied liegt manchmal in einem einzigen Satz. Oder in einem einzigen Atemzug.
Empathie bedeutet nicht, die Botschaft weichzuspülen. Das ist mir besonders wichtig.
Empathie wird im Business manchmal missverstanden als: „Ich muss dafür sorgen, dass sich alle mit meiner Entscheidung gut fühlen.“
Nein. Musst du nicht. Du bist nicht dafür verantwortlich, dass jeder Mensch jede Entscheidung toll findet. Du bist auch nicht dafür verantwortlich, dass ein regulatorischer Prozess plötzlich Spaß macht. Und du musst schon gar nicht gemeinsam mit dem Frosch darüber abstimmen, ob der Teich nun trockengelegt werden darf.
Aber du kannst anerkennen, dass er gerade ziemlich nasse Füße bekommt. Das ist ein Unterschied.
Empathie heißt: Ich sehe, dass das für dich schwierig ist.
Nicht: Ich nehme die Schwierigkeit deshalb wieder weg.
Und genau diese Unterscheidung macht Führung so viel leichter.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Mögen sie meine Kommunikation?“
Sondern: „Habe ich meine Botschaft klar, respektvoll und situationsgerecht vermittelt?“
Das sind drei völlig unterschiedliche Dinge.
Klar: Die andere Person weiß danach, was Sache ist.
Respektvoll:
Die andere Person wurde nicht unnötig klein gemacht.
Situationsgerecht:
Ich habe berücksichtigt, mit wem ich gerade spreche, was auf dem Spiel steht und wie viel Direktheit die Situation verträgt.
Und dann darf die andere Person immer noch sagen: „Finde ich scheiße.“
Das ist völlig legitim. Vielleicht sogar gesund. Denn professionelle Kommunikation ist keine Beliebtheitsabstimmung.
Eine kleine Oktopus-Frage für schwierige Gespräche
Wenn du merkst, dass du wieder einmal der Mensch bist, der die Nachricht überbringen muss, die niemand hören möchte, könntest du dir vor dem Gespräch drei Fragen stellen:
1. Was muss ich klar sagen? Das ist meine Botschaft.
2. Was könnte für die andere Person daran schwierig sein?
Das ist meine Empathie.
3. Was kann ich an meiner Art verändern, ohne meine Botschaft zu verwässern?
Das ist meine Flexibilität.
Und dann: Acht Arme ausbreiten. Einen Schritt zurück. Einmal durchatmen. Und los.
Denn vielleicht ist genau das die eigentliche Kunst guter Kommunikation:
Nicht aus jeder unbequemen Wahrheit eine Wohlfühlbotschaft zu machen.
Sondern unbequeme Wahrheiten so zu überbringen, dass der andere sein Gesicht behalten kann. Und wenn der Frosch danach trotzdem quakt?
Naja. Du kannst nicht verhindern, dass der Frosch quakt.
Du kannst nur dafür sorgen, dass du ihm nicht auch noch auf den Fuß trittst.
Und vielleicht ist das schon ziemlich gute Kommunikation.