3 Dinge, die ich im Coaching definitiv nicht mache
Führung mit acht Armen: 3 Dinge, die ich im Coaching definitiv nicht mache 🐙
Es gibt da draußen ein sehr hartnäckiges Bild von Coaching.
So ein bisschen wie ein Fitnessstudio für Persönlichkeiten.
Man kommt rein.
Man bekommt drei Übungen.
Ein Mindset-shake.
Und nach sechs Wochen ist man ein völlig neuer Mensch mit Titan-Willenskraft und laserartiger Entscheidungsfähigkeit.
Spoiler:
So arbeite ich nicht.
Und wenn ich ehrlich bin, erinnert mich diese Vorstellung immer ein wenig an einen Oktopus, dem jemand beibringen will, mit nur zwei Armen zu arbeiten, weil das effizienter wirkt.
Der Oktopus schaut dann vermutlich kurz irritiert, hebt drei Tentakel, sortiert eine Muschel und denkt:
„Warum genau sollte ich weniger Beweglichkeit wollen?“
Genau darum geht es auch im Coaching.
Hier sind drei Dinge, die ich im Coaching ganz bewusst nicht mache.
1. Ich mache Menschen nicht härter
Viele Menschen kommen mit einer ziemlich klaren Vorstellung davon, was sie brauchen:
Mehr Belastbarkeit.
Mehr Kontrolle.
Mehr Unerschütterlichkeit.
Kurz gesagt:
Mehr Härte.
Das Problem:
Härte ist selten das, was zum Beispiel gute Führung wirklich besser macht.
Organisationen und soziale Umfelder sind keine Maschinen.
Sie sind eher wie ein Korallenriff voller Bewegungen, Strömungen und Überraschungen.
Wer da nur auf Härte setzt, wird schnell starr.
Gute Führung und gutes Zusammenleben entsteht meistens aus etwas anderem:
Klarheit
Selbstkenntnis
der Fähigkeit, sich in komplexen Situationen zu bewegen
Oder, oktopussig gesagt:
Ein Oktopus überlebt nicht, weil er der härteste Bewohner des Ozeans ist.
Sondern weil er beweglich, aufmerksam und verdammt klug ist.
Genau diese Beweglichkeit interessiert mich im Coaching.
2. Ich optimiere keine Persönlichkeiten
Der Markt für Selbstoptimierung ist groß.
Wirklich groß.
Es gibt Programme für:
bessere Morgenroutinen
effizientere Meetings
produktivere Gedanken
optimierte Kommunikation
optimierte Ernährung
optimierte Atmung (ja, auch das)
Man könnte fast glauben, Persönlichkeit sei ein Softwareproblem mit einem fehlenden Update.
Im Coaching sehe ich das anders.
Es geht nicht darum, jemand anderes zu werden.
Es geht darum, die eigenen Stärken wirklich zu verstehen.
Viele Menschen unterschätzen massiv, wie viel Kompetenz bereits da ist.
Sie sehen:
ihre Zweifel
ihre offenen Fragen
ihre Unsicherheit in komplexen Situationen
Was sie oft weniger sehen:
ihre Erfahrung
ihre Intuition
ihre Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen
Im Coaching passiert deshalb selten eine „Optimierung“.
Eher so etwas wie ein Auftauchen von Klarheit.
Oder um beim Meer zu bleiben:
Der Oktopus bekommt keine neuen Arme.
Er merkt nur plötzlich, wie viele er eigentlich schon hat.
3. Ich repariere keine Menschen
Das ist vielleicht die wichtigste Sache.
Menschen kommen nicht ins Coaching, weil sie kaputt sind.
Sie kommen, weil sie Verantwortung tragen.
Weil sie Entscheidungen treffen müssen, die Konsequenzen haben.
Weil sie spüren, dass das Leben selten einfache Antworten liefert.
Und weil sie sich Zeit nehmen wollen, wirklich nachzudenken.
Coaching ist deshalb kein Reparaturbetrieb.
Es ist eher ein Raum.
Ein Raum für:
Denken
Sortieren
Perspektiven wechseln
Muster erkennen
Ein Raum, in dem man Dinge laut aussprechen kann, die sonst nur als diffuse Gedanken im Kopf kreisen.
Und manchmal passiert dann etwas Interessantes:
Ein Gedanke bewegt sich.
Ein Blickwinkel verändert sich.
Eine Entscheidung wird klarer.
Ein bisschen so, als würde ein Oktopus plötzlich entdecken, dass hinter dem Stein, den er die ganze Zeit beobachtet hat, noch ein ganz anderer Weg durchs Riff führt.
Vielleicht lässt sich meine Arbeit so zusammenfassen
Ich helfe Menschen nicht dabei,
härter zu werden
perfekter zu werden
oder „repariert“ zu werden.
Ich helfe ihnen dabei,
klarer zu sehen.
Klarer zu denken.
Und manchmal auch ein bisschen beweglicher zu werden.
Also eher wie im Oktopus-Modus:
Viele Perspektiven.
Hohe Aufmerksamkeit.
Und genug Tentakel, um mit Komplexität elegant umzugehen.
🐙