Über erfolgreiche Menschen, die sich selbst vergessen

Wenn der Oktopus sich nichts gönnt

Im Oktopus-Coaching tauchen manchmal erstaunliche Geschichten auf. Neulich saß mir eine Klientin gegenüber, die ein sehr erfolgreiches Unternehmen führt. Ihr Team arbeitet gerne mit ihr, Verantwortung ist sinnvoll verteilt, das Vertrauen stimmt. Die Maschine läuft und zwar ziemlich rund.

Nur eine Sache läuft nicht.

Sie selbst.

Denn während ihr Unternehmen wächst, bleibt sie erstaunlich sparsam mit sich selbst. Ruhe? Naja. Wellness? Vielleicht irgendwann. Die schöne neue Handtasche, die sie seit Monaten anschaut? Ach, eigentlich braucht sie die ja nicht.

Der Oktopus kennt solche Situationen. Mit acht Armen lässt sich wunderbar organisieren, koordinieren, führen, Entscheidungen treffen, Projekte jonglieren. Aber manchmal passiert etwas Seltsames: Alle Tentakel kümmern sich um alles, nur keiner um den Oktopus selbst.

Und genau dort beginnt oft unsere gemeinsame Erkundung.

Wenn Verantwortung groß wird, wird Selbstfürsorge manchmal klein

Viele erfolgreiche Menschen haben eine sehr feine Antenne für Verantwortung. Sie wollen gute Entscheidungen treffen, ihr Team unterstützen, das Unternehmen stabil halten.

Diese Haltung ist wertvoll und oft auch ein Grund für ihren Erfolg.

Nur schleicht sich dabei manchmal eine kleine innere Regel ein:

„Erst wenn alles erledigt ist, darf ich mir etwas gönnen.“

Das Problem: In einem lebendigen Unternehmen ist nie alles erledigt. Es gibt immer noch ein Projekt, eine Entscheidung, eine Idee, eine Verbesserung.

Ich nenne das liebevoll den „Nie-ganz-fertig-Reflex“.

Und wenn dieser Reflex aktiv ist, wandern kleine Wünsche oft automatisch ans Ende der Liste.

Ein Tentakel-Experiment

Im Coaching arbeite ich selten mit großen Lebensrevolutionen. Der Oktopus mag Experimente.

Also stelle ich eine einfache Frage:

Was wäre die kleinste Form von „sich etwas gönnen“, die sich heute noch überraschend leicht anfühlt?

Nicht gleich zwei Wochen Wellness-Retreat auf Bali.
Vielleicht nur:

  • eine Stunde ohne Verpflichtung

  • ein Spaziergang ohne Podcast und ohne To-do-Liste

  • oder tatsächlich diese Handtasche, die seit Monaten freundlich aus dem Schaufenster winkt

Der Clou: Es geht nicht um Konsum. Es geht um Erlaubnis.

Der Moment, in dem der Oktopus merkt: Es geht auch anders

Oft passiert dann etwas Interessantes.

Wenn Menschen, die sehr viel Verantwortung tragen, anfangen sich kleine Dinge zu erlauben, verändert sich nicht nur ihr Alltag, sondern auch ihre Energie.

Nicht dramatisch. Eher subtil.

Plötzlich gibt es wieder ein bisschen mehr Luft zwischen den Terminen. Mehr Spielraum im Kopf. Manchmal sogar ein Lächeln über eine überraschend schöne Handtasche.

Und das Unternehmen? Läuft meistens immer noch hervorragend.

Man könnte fast meinen, der Oktopus arbeitet besser, wenn alle Tentakel, inklusive des achten für sich selbst, in Bewegung bleiben dürfen.

Eine Frage zum Schluss

Wenn du selbst gerade viele Tentakel im Einsatz hast, probiere vielleicht einmal diese kleine Frage aus:

Welcher deiner Tentakel darf heute etwas tun, das einfach nur dir gut tut?

Keine große Strategie.
Kein Performance-Ziel.
Nur ein kleines Stück Meer für den Oktopus selbst.

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