Hände weg – lass andere machen
Es gibt diesen Moment, den wahrscheinlich jeder von uns kennt.
Man steht vor einer Entscheidung und denkt:
"Ich mache das schnell selbst. Dann weiß ich, dass es richtig gemacht wird und ich brauch es nicht lange zu erklären."
Und jeder von uns, weiss tief in seinem Inneren: nein, auf lange Sicht fällt mir das auf die Füsse!
Auch David, stellvertretender Marktleiter von Andrea´s REWE, kam in unserem letzten Coffee – Gespräch mit diesem Thema. Denn dabei gegen den ersten Instinkt zu handeln und stattdessen die Verantwortung zu übertragen, ist eine der grössten Herausforderungen für Leaderinnen und Leader. Gerade zu Beginn in der Führung oder mit einem neuen Team.
Ich kenne dieses Gefühl gut.
Als ich meinen Supermarkt eröffnet habe, hätte ich theoretisch jeden Bestellvorschlag prüfen, jede Platzierung freigeben und jede Entscheidung absegnen können. Schließlich trage ich die volle Verantwortung als Inhaberin und Unternehmerin.
Aber mir war schnell klar:
Wenn alle ständig auf meine Freigabe warten, führe ich kein Team. Ich erschaffe eine Warteschlange.
Heute entscheiden meine Abteilungsleitungen vieles selbst. Natürlich nicht alles.
Aber deutlich mehr, als viele vermuten würden.
Manchmal läuft etwas anders, als ich oder das Führungsteam es gemacht hätten. Oft sogar besser.
Und manchmal stehen plötzlich deutlich mehr Grillsoßen im Lager, als das Rheinland vermutlich in einem Sommer verbrauchen kann.
Das gehört dazu.
Denn Vertrauen bedeutet nicht, dass keine Fehler passieren.
Vertrauen bedeutet, dass Menschen lernen dürfen.
Viele Leader und Leaderinnen verwechseln Kontrolle mit Sicherheit.
Dabei passiert oft genau das Gegenteil.
Je enger wir führen, desto weniger übernehmen andere Verantwortung.
Je häufiger wir eingreifen, desto seltener denken Menschen selbst.
Kontrolle löst vielleicht kurzfristig Probleme.
Vertrauen entwickelt langfristig Menschen.
Das braucht Mut.
Denn Vertrauen heißt auch, auszuhalten, dass jemand einen anderen Weg geht.
Nicht jeden Joghurtbecher geradezurücken.
Nicht überall den letzten Handgriff selbst zu machen.
Und trotzdem ruhig zu bleiben.
Der Oktopus erinnert mich genau daran.
Seine Stärke liegt nicht darin, alles gleichzeitig festzuhalten.
Seine Stärke liegt darin, intelligent zu reagieren.
Loszulassen.
Neu zu greifen, wenn es nötig ist.
Genau das macht gute Führung aus.
Am Ende geht es nicht darum, wie viele Entscheidungen ich selbst getroffen habe.
Sondern darum, wie viele Menschen durch meine Führung gelernt haben, gute Entscheidungen ohne mich zu treffen.
Das ist für mich Leadership.
Oktopus Impuls zum Mitnehmen:
Kontrolle schafft Abhängigkeit. Vertrauen schafft Verantwortung.
Oder anders gesagt: Die beste Führungskraft ist nicht die, die alles selbst macht. Sondern die, ohne die vieles gut funktioniert.