Eigentlich ganz einfach, oder?
„There is a special place in hell for women who don’t help other women.“
Ich bin gestern wieder einmal über diesen Satz von Madeleine Albright gestolpert.
Ein ziemlich harter Satz. Und einer, bei dem man spontan denkt: Na klar! Natürlich sollten Frauen andere Frauen unterstützen.
Aber wenn wir ehrlich sind, ist es manchmal gar nicht so einfach.
Wir freuen uns nicht immer automatisch, wenn eine andere Frau erfolgreich ist.
Wenn sie die Beförderung bekommt. Wenn sie mutig ihren eigenen Weg geht.
Wenn sie plötzlich sichtbar wird. Wenn sie mehr verdient.
Wenn sie sich etwas traut, was wir uns selbst vielleicht gerade nicht trauen.
Und manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken: Warum eigentlich sie?
Ich glaube, genau da beginnt das Thema Frauen-Netzwerk für mich.
Nicht bei Visitenkarten.
Nicht bei LinkedIn-Kontakten.
Nicht bei „Wir sollten uns unbedingt mal vernetzen“.
Sondern bei einer viel einfacheren Frage:
Wie sehr gönne ich einer anderen Frau ihren Erfolg?
Und noch wichtiger: Was bin ich bereit, dafür zu tun?
Denn eine Frau zu unterstützen bedeutet nicht unbedingt, ihr ständig Komplimente zu machen. Manchmal bedeutet es, ihren Namen zu nennen, wenn eine Chance entsteht.
Ihr eine Tür zu öffnen.
Ihr eine Empfehlung zu geben.
Ihr ehrlich zu sagen: „Das kannst du.“
Oder auch mal: „Trau dich. Du wartest schon viel zu lange.“
Und manchmal bedeutet es, einer anderen Frau den Vortritt zu lassen, obwohl wir selbst gerne vorne stehen würden.
Ich habe in meinem Berufsleben leider nicht viele Frauen erlebt, die genau das getan haben.
Eher Frauen, die gefragt haben: Was habe ich davon? Und nicht: „Was kann ich für dich tun?“
Und das Verrückte daran ist: Davon wird eigentlich niemand kleiner. Im Gegenteil.
Ich glaube, Frauen haben eine unglaubliche Fähigkeit, Räume zu schaffen, in denen andere Frauen wachsen können. Wenn wir es denn tun.
Denn natürlich gibt es Konkurrenz. Natürlich gibt es Neid. Natürlich gibt es Unsicherheit.
Wir sind Menschen.
Aber vielleicht müssen wir ja gar nicht aufhören zu konkurrieren.
Vielleicht reicht es schon, wenn wir aufhören, uns gegenseitig klein zu machen.
Denn der Erfolg einer anderen Frau nimmt mir meinen eigenen nicht weg.
Ihr Mut macht meinen nicht kleiner.
Ihre Sichtbarkeit macht mich nicht unsichtbar.
Und ihre Entscheidung, einen anderen Weg zu gehen, stellt meinen nicht infrage.
Vielleicht ist genau das die Kraft eines guten Netzwerks:
Dass ich nicht alles alleine können muss.
Dass ich jemanden kenne, der jemanden kennt.
Dass ich mich traue, eine Frage zu stellen.
Dass ich mich zeigen darf, auch wenn ich noch nicht alle Antworten habe.
Und dass da Menschen sind, die sagen: „Komm. Wir machen das zusammen.“
In ein paar Tagen darf ich die Meraki Keynote zum Auftakt eines neuen Frauennetzwerks halten. Und ich freue mich sehr darauf.
Nicht, weil ich glaube, dass Frauen einander grundsätzlich retten müssen.
Sondern weil ich glaube, dass wir uns gegenseitig unglaublich viel zutrauen können.
Vielleicht ist das überhaupt eine der schönsten Formen von Führung:
Andere Menschen nicht kleiner zu machen, damit man selbst größer wirkt.
Sondern ihnen dabei zu helfen, größer zu werden.
Und vielleicht brauchen wir dafür gar nicht mehr Netzwerke.
Vielleicht brauchen wir einfach mehr Frauen, die sich gegenseitig sagen:
„Ich sehe dich.“
„Ich glaube an dich.“
„Und wenn du losgehst, gehe ich ein Stück mit.“
Das wäre doch ein ziemlich guter Anfang.